Erfolgsgeschichten hört man gern. Und sie werden auch gern als Vorlage für Empfehlungen genutzt. Doch was besagen sie eigentlich? Genau betrachtet doch nur, dass es in der Vergangenheit einer einmal damit geschafft hat. Noch verrückter wird es, wenn betrachtet wird, mit welchen Problemen er auf dem Weg zum Erfolg zu kämpfen hatte. Wenn man sich dann auf diese Probleme konzentriert, übersieht man einen ganz wesentlichen Aspekt: Andere Leute, die etwas Ähnliches versucht haben, hatten vielleicht ganz andere Probleme. Und diese haben dann verhindert, dass sie Erfolg hatten. Zum Lernen aus einer Erfolgsgeschichte gehört also immer auch die Betrachtung der Misserfolge ähnlicher Versuche.

Nehmen wir etwa die großen Firmen aus dem Silicon Valley. Oft werden sie glorifiziert dargestellt und ihr Aufstieg gilt als Vorbild für viele Startups.  Aber betrachtet man nicht die einzelnen Firmen, sondern das Silicon Valley als Ganzes, so ergibt sich ein anderes Bild: Praktisch alle Firmen, die damals gegründet wurden, gibt es heute nicht mehr. Es erging ihnen auch nicht anders als heutigen Startups: Die Idee war doch nicht so gut, sie wurde gestohlen, oder das Geld ging aus, bevor sich der Verkaufserfolg einstellte; oder einer der vielen anderen Gründe. Manchmal ist es auch einfach Zufall, wer überdauert.

Diese Verzerrung der Wahrnehmung wird Survivorship Bias genannt. Man gewichtet das Wissen über die Erfolgreichen aus dem sogenannten Bauchgefühl heraus zu hoch. Man sollte stattdessen besser immer auch aus den Fehlern anderer lernen.

Im Amateurfunk findet man viele Vorlagen, wie man eine Funkanlage aufbauen sollte, vom Shack bis zur Antenne. Veröffentlicht werden meist die Erfolge. Und viele Autoren sind eigentlich keine Fachleute für das Thema. Sie können nicht wirklich erklären, warum das bei ihnen so funktioniert. Der eine “Survivor” dient als Vorlage für eigene Bauversuche und man wird oft enttäuscht, weil die glorifizierte Antenne doch nicht so toll ist wie versprochen. Um diese Enttäuschungen zu vermeiden, sollte man dem “Bias” aus dem Weg gehen, anzunehmen, dass es überall funktioniert, nur weil sich ein Erfolgreicher getraut hat, darüber zu schreiben. Man wird wohl niemanden dazu bringen, über alle seine Fehlversuche zu schreiben.

Manchmal findet man kleine Hinweise auf etwas, das definitiv nicht funktioniert. Aber lieber schreibt und liest man doch darüber, was geklappt hat. Die Fleißarbeit, zu bewerten, wie gut das bei ihm funktioniert, verbleibt beim Leser. Und das ist vielleicht auch gut so. Schließlich sind wir ein experimenteller Funkdienst und wenn jeder Nachbau immer gleich funktionieren würde, wäre es bald langweilig.

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