Wir installieren uns einen Rechner mit Linux.

Voraussetzung:

  • Etwas zu tun nebenher 🙂 Der zu installierende Rechner sollte im Blick sein, damit man sieht wenn er eine Eingabe erwartet. Aber zwischendurch gibt es lĂ€ngere ZeitrĂ€ume in denen das System automatisch arbeitet und keine Interaktion benötigt. Das ist auch einer der GrĂŒnde warum es sich empfiehlt keine zu alten (langsamen) GerĂ€te zu benutzen. Das gilt auch fĂŒr die verwendeten Installationsmedien.
  • Netzanbindung mit DHCP. Das erfĂŒllt jedes haushaltsĂŒbliche LAN mit einem DSL-Router.
  • Einen lauffĂ€higen Linux-PC. Hier haben wir ein Henne/Ei-Problem. Prinzipiell geht das auch an einem Windows-PC, was hier fĂŒr den Moment nicht behandelt wird, da ich hier keinen habe zum Testen
  • Einen zu installierenden PC. Falls die Platte dieses PC schon mal benutzt wurde, sicherstellen, dass die Daten gesichert wurden. Die Platte wird im Laufe der Installation unwiederbringlich ĂŒberschrieben!
  • Ein fĂŒr den zu installierenden Rechner geeignetes Installationsmedium, welches der lauffĂ€hige beschreiben kann. Z.B. ein USB-Stick oder eine SD-Karte. FĂŒr Ă€ltere Rechner vielleicht eine CD.

Auf dem fertigen Linux-PC

Lade Ubuntu Desktop 18.04 LTS Netinstall; hier die Version fĂŒr alte PCs (i386), vorzugsweise sollte aber eigentlich die amd64 genutzt werden, wenn der PC das kann, er also 64-Bit-fĂ€hig ist. Die Version Long Term Service LTS stellt sicher, dass wir ĂŒber einige Jahre hinweg Updates fĂŒr das System erhalten. FĂŒr einen Arbeitsplatzrechner, der stĂ€ndig die neuesten Tools haben sollte, wĂŒrden wir vielleicht die normale Version 19.04 bevorzugen.

Netinstall hat den Vorteil dass ein kleiner DatentrÀger ausreicht und das Erstellen des Image schnell geht. SpÀter werden dann wirklich nur die benötigten Pakete aus dem Internet geladen, so dass dann auch schneller geht. Die vollstÀndigen Images sollte man nur nutzen, wenn der Rechner spÀter gar kein Internet haben wird; oder aber wenn mehrere PCs installiert werden sollen.

wget 'http://archive.ubuntu.com/ubuntu/dists/bionic-updates/main/installer-i386/current/images/netboot/mini.iso'

Kopiere auf geeigneten DatentrĂ€ger zur Installation, je nach PC z.B. CD/DVD, USB-Stick oder SD-Karte. Darauf achten dass wirklich das Image auf den DatentrĂ€ger geschrieben wird und NICHT das Image als Datei kopiert! Darauf achten, dass das GerĂ€t hinter of= wirklich der zu beschreibende DatentrĂ€ger ist. dd wĂŒrde auch die Festplatte beschreiben und damit das Betriebsssystm mit allen Daten zerstören!

“Das gute an Linux ist, dass so viel damit möglich ist… Das schlechte an Linux ist, dass so viel damit möglich ist.” 😉

Um zu erkennen, welches der eingelegte DatentrĂ€ger ist, kann man den Befehl lsblk benutzen. Ein Mal vor dem Einlegen und ein Mal danach aufrufen und der hinzugekommene GerĂ€tename ist der vom frisch eingelegten. Ziffern am Ende werden dabei ignoriert. Diese bezeichnen die Partitionen auf dem DatentrĂ€ger, die wir gleich sowieso ĂŒberschreiben werden.

$ lsblk

sdd 8:48 1 28,9G 0 disk

├─sdd1 8:49 1 59M 0 part

└─sdd2 8:50 1 6M 0 part

Das GerÀt hier ist also /dev/sdd

Zum VerstĂ€ndnis: Das so genannte Image in der ISO-Datei ist eine exakte Byte-weise Kopie eines fertigen DatentrĂ€gers. Es darf daher nicht mit dem Befehl zum Kopieren auf den DatentrĂ€ger abgelegt werden, sondern muss mit einem speziellen Befehl wieder Byte fĂŒr Byte auf dem DatentrĂ€ger abgelegt werden. Auch dieser DatentrĂ€ger sollte ggf. vorher gesichert werden. Auch er wird unwiederbringlich ĂŒberschrieben!

Hier der Befehl fĂŒr eine SD-Karte die als GerĂ€t /dev/sdd geladen ist.

dd if=mini.iso of=/dev/sdd bs=4M

Das kann je nach Geschwindigkeit der SD-Karte einige Minuten dauern.

DatentrÀger aushÀngen und entnehmen.

Auf dem zu installierenden PC

DatentrÀger in den zu installierenden PC einlegen und davon booten.

Im Ubuntu-MenĂŒ “Install” auswĂ€hlen

Sprache auswĂ€hlen, vorzugsweise “german – deutsch”

Ggf Warnung ĂŒber unvollstĂ€ndige Übersetzung bestĂ€tigen, einige Dialoge können dann englisch sein

Land: Deutschland

Detect Keyboard-Laout durchfĂŒhren

Geeignetes Netzwerk-GerÀt auswÀhlen, bevorzugt kabelgebundenes Ethernet

AussagefÀhigen eindeutigen Rechnernamen vergeben, zur Not durchnummerieren, den PC damit zu beschriften ist eine gute Idee

Spiegelserver in Deutschland wÀhlen

normalerweise sollte kein Proxy notwendig sein

Benutzername vergeben und merken

Passwort vergeben und merken

Zeitzone bestÀtigen (Europa/Berlin)

gesamte Platte mit LVM “gefĂŒhrt” partitionieren. Wir wollen kein zweites System auf dem PC. Partitionen waren frĂŒher ĂŒblich, heute sind sie eher hinderlich. Falls wir unsere Meinung mal Ă€ndern sollten, hilft uns der Logical Volume Manager LVM. Keine VerschlĂŒsselung auswĂ€hlen. Das wĂ€re sinnvoll fĂŒr einen Arbeitsplatzrechner mit vertraulichen Daten. FĂŒr einen reinen Afu-PC ist es aber eher hinderlich.

Schreiben der Partition bestÀtigen, die erste

Gesamte Platte nutzen

Schreiben der Partition bestÀtigen, die zweite

Nun dauert es eine Weile bis das System vorbereitet ist… Kaffeepause

Eigentlich sollte ein System automatisch aktualisiert werden. Da das aber im AREDNmesh oder Hamnet nicht so einfach geht, schalten wir die automatische Aktualisierung aus. Es sollte gelegentlich manuell im Internet durchgefĂŒhrt werden.

Selektiere Pakete:

  • LAMP; spart uns spĂ€ter Arbeit und bereitet das System fĂŒr Nextcloud vor
  • Xubuntu Desktop; sparsame XFCE-OberflĂ€che auch fĂŒr langsame und Ă€ltere PCs
  • Openssh Server; fĂŒr Zugriff von außen fĂŒr die Fernwartung an der Konsole

Und wieder Kaffeepause

Bootloader in den Master Boot Record MBR schreiben lassen

Systemzeit auf UTC

Installationsmedium entnehmen

System neu starten lassen

Nun haben wir einen PC unter Ubuntu

Wer mag kann nun noch Nextcloud installieren. Das ist ein sehr mÀchtiges System was neben der Cloud-artigen Ablage von Dateien auch eine Kontaktverwaltung und einen Kalender beinhaltet, die mittels moderner Webdav-Protokolle z.B. vom Smartphone aus genutzt werden können.

Automatisches Installationsscript fĂŒr Nextcloud. Einfach entpacken, ausfĂŒhrbar machen und mit sudo starten. Äh, ich meine natĂŒrlich: Traue nie einer ausfĂŒhrbaren Datei aus dem Internet. Also das Programm lesen, verstehen und dann auf eigene Verantwortung starten 😜.

Wichtiger Hinweis

Dies ist nun ein sehr simpel installierter Rechner. Wegen der nicht verschlĂŒsselten Festplatte sollte er nicht fĂŒr vertrauliche Daten genutzt werden. Und der Webserver ohne TLS “verbietet” einen Einsatz im Internet.

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