Vor ein paar Jahren gab es mal eine Werbung:
Zwei Geschäftsleute sitzen im Café und lesen Zeitung. Der eine sagt: „Hier steht, wir müssen ins Internet.“ Das andere fragt: „Wieso?“. Der erste schaut noch mal nach und antwortet: „Das steht nicht da.“
Das beschreibt recht gut die Vorgehensweise vieler Leute und auch Vereinen und Geschäften bei ihrem Webauftritt. Die Seiten werden hastig einmal erstellt und bald hat keiner mehr die Motivation, weiter daran zu arbeiten, weil kein Sinn darin gesehen wird. Die wenigen Besucher sind durch unvollständige und veraltete Informationen irritiert.
Hier stelle ich ein paar Aspekte und Fragestellungen zusammen, die helfen sollen zu klären, welche Art von Webauftritt sinnvoll ist.
- Wer ist die Zielgruppe? Für wen soll die Website am Ende da sein? Eine Infoseite für die vorhandenen Clubmitgliedern sollte man anders aufziehen als Inhalte für zufällige Suchmaschinenbesucher.
- Was möchte ich dieser Zielgruppe damit anbieten? Was ist der sogenannte Mehrwert für die Leute, die die Seite besuchen? Dieses Ziel und es können auch mehrere sein, kann sich im Laufe der Entwicklung auch ändern. Aber es sollte definiert sein und man sollte sich dabei nicht verzetteln. Es sollte eine „Linie“ oder ein “Roter Faden” erkennbar sein.
- Wie stelle ich mich dar? Wie soll das aussehen? Welches Design nutze ich, damit der Auftritt auch grafisch mich repräsentiert? Die Profis reden hier von Corporate Identity und Corporate Design CI/CD, also einem Wiedererkennungswert. Das sieht dann am Ende nicht nur ansprechend aus, sondern vereinfacht auch die Erstellung der redaktionellen Inhalte, weil man sich eben nicht jedes Mal über das Design Gedanken machen muss.
- Welche technische Expertise habe ich? Davon hängt ab, welches Produkt ich als Basis nehmen sollte. Wer sich zutraut, aufwendige interaktive Inhalte anzubieten, wird vermutlich einen größeren Server für die Umsetzung benötigen. Für eine sogenannte Webvisitenkarte reicht ein einfaches Webhosting.
- Wichtig in dem Zusammenhang ist auch das Backup: Jede Seite hat mal ein Problem, ob nun aus technischen Gründen oder wegen einem Hacker. Kaum etwas ist ärgerlicher, wenn die Inhalte dann verloren sind.
- Und egal, ob jemand gut HTML kann: Einem CMS sollte man den Vorrang gegenüber einem einfachen Editor haben. So kann man sich besser auf die Inhalte konzentrieren.
- Wie oft kann ich die Seite pflegen? Wenn absehbar ist, dass die Seite nur selten betreut werden kann, sollte man auf Rubriken wie Aktuelles besser gleich verzichten. Nichts ist alberner als die „News“, was 2019 passiert ist. Und etwas in der Art findet man leider sehr häufig.
- Möchte ich Kommunikation mit den Besuchern anbieten? Dann muss sichergestellt sein, dass diese auch beantwortet wird. Wenn die Inhalte der Besucher auf der Seite erscheinen sollen, benötigt man auch eine Moderation.
- Meine persönliche Einschätzung dazu: Gästebücher, Kommentare und Rückmeldungen direkt aus der Website bereiten mehr Ärger, als sie nützen. Man benutzt besser Social Media oder die klassische E-Mail dafür.
- Soll eine Gruppe von Leuten im Team daran arbeiten? Dann braucht das System eine Benutzerverwaltung. Es ist Ärger vorprogrammiert, wenn alle mit dem gleichen Zugang arbeiten und später nicht nachvollzogen werden kann, welche Inhalte von wem sind.
- Wenn sich Inhalte immer wieder ändern, besonders wenn es mehrere Redakteure gibt, sollte man auch eine Versionierung haben.
- Wenn man klein anfangen will, was absolut okay ist, sollte man auf „coming soon“ und Baustellenschilder verzichten. Solche Inhalte werden dann einfach gar nicht online gestellt oder sie kommen in eine Rubrik Draft oder Preview. Sonst entsteht schnell der Eindruck, dass es sich gar nicht lohnt die Seite zu besuchen, besonders wenn die Baustelle länger besteht.
- Das Gleiche gilt auch für das Aufräumen. Man macht sich im Hintergrund einen Plan dafür und arbeitet den ab. Aber man reißt keine Inhalte ab und vertröstet die Besucher auf den Relaunch. Entweder sind die Inhalte wirklich inhaltlich veraltet. Dann kann man sie auch ganz löschen. Oder man bereitet den „Facelift“ vor und schaltet ihn aktiv, wenn er fertig ist.
- Brauchen wir wirklich https? Ja! Dazu gibt es wirklich nicht viel mehr zu sagen. Seiten ohne TLS sind heutzutage einfach nicht mehr ernst zu nehmen. Die ungesicherte Übertragung selbst harmloser Inhalte kann auf so unglaublich vielfältige Weise ausgenutzt werden, dass man sich einfach die Frage nicht mehr stellen sollte, besonders da es mit Let’s Encrypt so einfach und kostenlos geworden ist. Man trägt damit dazu bei, dass das Web ein sicherer Ort ist.
- Brauchen wir eine Statistik? Neben dem eigenen Ego kann es durchaus sinnvoll sein, einen Überblick zu haben, wie sich der Auftritt entwickelt, besonders wenn man auch nachvollziehen kann, welche Inhalte populär sind. Das gibt nicht nur einen Hinweis darauf, was die Zielgruppe erwartet, sondern hilft auch, weniger gut besuchte Inhalte zu optimieren, wenn sie einem selbst wichtig sind.
- Wollen wir unter verschiedenen Namen im Internet auftreten? Es mag den einen oder anderen stichhaltigen Grund dafür geben. Als Standard empfehle ich aber, dass ein Name als der „kanonische“ ausgewählt wird und alle anderen auf diesen weiterleiten. Das gilt auch für die Wahl, ob der Server mit oder ohne vorangestelltem „www.“ erreichbar sein soll. Und das gilt auch für Aufrufe mit „http:“. Grundsätzlich ist es gut, wenn man seine Besucher mit allen Namen „abholt“, besonders wenn diese mal etabliert waren. Aber am Ende wird alles unter einem bestimmten festen Namen ausgeliefert.
Wie man an diesem Blog sieht, bin ich durchaus ein Fan davon, seine Weisheiten ins Web zu stellen. Aber es sollte nicht lieblos und planlos wirken.
Ich kann niemandem die Arbeit abnehmen. Aber bei konkreten Fragen, helfe ich gern. Bitte auf Telegram oder per E-Mail melden.