Hier werden physikalische Einheiten erklärt, die ein wenig vom Standard abweichen.
Elektrischer Widerstand in Ohm
Bei einem ohmschen Widerstand ist der elektrische Widerstand Spannung geteilt durch Strom. Damit ist der Widerstand die Steigung der Kennlinie, die in diesem Fall eine Gerade durch den Nullpunkt ist. Hat man aber keinen ohmschen Widerstand, wie bei einer Diode, dann spricht man bei der Steigung der Tangente an der Kennlinie vom differenziellen Widerstand. Mathematisch ist das die Ableitung der Kennlinie.
Elektrische Leistung in Watt
An einem ohmschen Widerstand ist die elektrische Leistung die Spannung multipliziert mit dem Strom. Damit ist die Leistung die Fläche eines gedachten Rechtecks mit Spannung und Strom als Kantenlängen. Das gilt bei einer Wechselspannung aber nur, wenn Spannung und Strom in Phase sind. An einem Kondensator oder einer Spule ist das nicht der Fall. Der Kosinus des Phasenwinkels $\varphi$ geht als Korrekturfaktor ein.
Drehmoment und Arbeit in Nm
Wenn eine Kraft in Newton entlang einer Strecke in Metern wirkt, dann wird eine Arbeit verrichtet, die in Joule gemessen wird, was in diesem Fall durch das sogenannte Skalarprodukt gebildet wird. Wenn eine Kraft in Newton an einem Hebel in Metern wirkt, dann wird ein Drehmoment verrichtet. Das wird durch das sogenannte Vektorprodukt berechnet. Da hier nicht notwendigerweise eine Bewegung stattfindet, wird auch keine Arbeit verrichtet. Diese beiden Arten, eine Kraft in Newton und eine Strecke in Metern zu multiplizieren, muss man also unterscheiden.
Masse in Pfund
Früher war ein Pfund eine sehr variable Einheit und von Ort zu Ort und auch je nach Ware unterschiedlich. Heute ist in Deutschland das Pfund als ein halbes Kilogramm definiert, also 500g. Die englische Masseneinheit Pound ist hier ein sogenannter falscher Freund. Die Übersetzung klingt plausibel, die Zahlenwerte unterscheiden sich aber.
Hier noch der Hinweis, dass Gewicht eine Wirkung der Masse in einem Gravitationsfeld ist. Da wir uns meistens auf der Erdoberfläche mit einer konstanten Gravitation befinden, wird Gewicht und Masse im Alltag gleichgesetzt. Wenn man sich aber beispielsweise für Astronomie und Raumfahrt interessiert sollte man sich verdeutlichen, dass das nicht das Gleiche ist.
Masse in Dag
In Österreich wird Masse gern in Dekagramm (10 g) angegeben, genannt Dag. Ein Pfund sind also 50 Dag.
Masse in Zentner
Größere Massen werden gern in Zentnern, von lateinisch 100 (Pfund), gemessen. Das sind 50 kg oder 100 Pfund. Um näher am SI-System zu sein, wird auch gern der Doppelzentner genutzt, was dann 100 kg sind.
Druck in hPa
Das Hekto für 100 als dekadische Vorsilbe ist eher unüblich. Beim Druck, speziell Luftdruck, wird es benutzt, um die gleichen Zahlenwerte wie beim früher gebräuchlichen mBar zu erhalten.
Fläche in Ar
In der Forst- und Landwirtschaft werden Flächen gern in Ar gemessen. Das sind 10 m x 10 m, also 100 m2 . Der Name ist von lateinisch area abgeleitet, was ebenso wie im Englischen Fläche bedeutet. Davon abgeleitet ist das Hekto-Ar (100 Ar), kurz Hektar, was dann 100 m x 100 m, also 10.000 m2 sind.
Volumen in Liter
Ein Liter ist ein Kubikdezimeter. In den gebräuchlicheren cm gemessen, ist das (10 cm)3, also ein Würfel mit einer Kantenlänge von 10 cm. Da das Centi hier mitpotenziert wird, ergeben sich manchmal verwirrende Zusammenhänge zwischen Volumen in „Kubikstrecken“ und Litern, wenn man die SI-Vorsilben für Zahlenwerte benutzt. Beispielsweise ist ein Milliliter ein Kubikzentimeter. Milli ist ein Tausendstel, also geteilt durch 103, also drei mal durch 10 geteilt. So herum betrachtet ist es also wieder recht logisch, dass mit dem Milli aus einem Würfel mit 10 cm Kantenlänge einer mit einer Kantenlänge von 1 cm wird.
Zeit
Hier wird es richtig kompliziert. Traditionell ist ein Tag die Zeit, die zwischen zwei Höchstständen der Sonne am Mittag vergeht. Während eines Tages bewegt sich die Erde aber um die Sonne. Das bedeutet, die Zeit zwischen zwei Höchstständen eines Fixsterns am Nachthimmel ist eine geringfügig andere Zeitspanne. In der Astronomie nennt man das einen Siderischen Tag („Sternentag“).
Misst man die Zeit mit einer Atomuhr, so hat man einen präziseren Gleichlauf als den der Erde um die Sonne. Um das ausgleichen zu können, lässt man die Atomuhren anschaulich gesagt etwas zu schnell laufen und fügt gelegentlich eine zusätzliche Schaltsekunde ein, um die beiden Messungen wieder zu synchronisieren.
Misst man Zeiten an Orten mit verschiedener Gravitation oder bei verschiedenen Geschwindigkeiten, kommen relativistische Effekte dazu, die man Zeitdilatation („Zeitdehnung“) nennt. Einfach gesagt führt das dazu, dass es so etwas wie eine absolute Zeitskala oder eine absolute Gleichzeitigkeit nicht gibt.