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Es gibt viele Gründe, Funkamateur werden zu wollen. Früher stand oft die internationale Kommunikation im Vordergrund. Dieser Aspekt ist heute in Zeiten des Internets etwas in den Hintergrund gerückt. Besonders bei Katastrophen stellt man aber oft schnell fest, dass eine Funkverbindung zuverlässiger ist und im Schadenfall auch leichter wieder hergestellt werden kann. Der Notfunk ist also ein anderer Aspekt, das Hobby zu betreiben.

Dazu gibt es viele weitere, wie Fielddays, Konteste oder das Erreichen von Diplomen. Auch die Instandhaltung und der Betrieb von historischen Geräten kann dazu gehören. Viele sind stolz darauf, mit ihren alten „Lines“ weiter aktiv am heutigen Funkverkehr teilnehmen zu können.

Für mich ist es das Verstehen von Technik und Naturwissenschaft was mich zum Amateurfunk gebracht hat. Aufbauend auf einer soliden mathematischen Grundbildung möglichst viel elektrotechnisch und physikalisch zu verstehen ist das was mich antreibt. In meinem Shack finden sich nur wenige betriebsbereite Funkgeräte. Das meiste sind Messgeräte und Versuchsaufbauten und eine Elektronik-Werkbank.

Genau für Leute, die das wie ich sehen, betreibe ich diese Seiten. Ich denke, es gibt wirklich genug hervorragende Seiten, die das Thema für die aufbereiten, die einfach nur die Prüfung bestehen wollen. Ich möchte dagegen die abholen, die es wirklich verstehen wollen. Und dabei ist es nicht wichtig, wo die Leute starten. Ein Sprichwort sagt, man muss die Leute da abholen, wo sie sind. Genau das versuche ich mit meinem Rechenkurs.

Bei meinen ersten Versuchen, Leute zur Lizenz zu bringen, stand ich immer wieder vor dem Problem, da einzuhaken, wo die Leute das Verständnis verloren haben. Aber die Leute geben das meist zu spät zu. Und dann fängt man an, von dBm aus rückwärts zu erklären, bis man herausfindet, dass schon die Potenzen nicht wirklich verstanden wurden. Alle, die man vorher noch nicht verloren hat, sind jetzt weg. Rückwärts Erklären funktioniert einfach nicht. Daher besser die Leute mit einem Grundkurs bei „Adam und Eva“ abholen. Das muss auch nicht unbedingt im Kurs mit der ganzen Gruppe gemacht werden. Das Schulwissen auffrischen funktioniert auch im „stillen Kämmerlein“.

Für viele ist das Rechnen lästige Pflicht und so wird es oft vernachlässigt. Die einen empfehlen, diese Dinge auswendig zu lernen. Andere beschwören immer wieder, dass man „keine Angst“ davor haben muss. Jeder, der vorher noch keine Angst davor hatte, der hat sie nun. Das ist die Sache mit dem „Denken sie jetzt mal nicht an einen rosa Elefanten“. Lernen geschieht zu einem großen Teil im Unterbewusstsein. Und unser Unterbewusstsein hat seine Schwierigkeiten damit, Verneinungen zu verstehen. Man sollte solche Formulierungen vermeiden.

Ein anderer Aspekt ist auch, dass man nicht zu viele Dinge zur “lästigen Pflicht” erklären sollte. Die Vorschriften gehören ja für die meisten auch schon dazu. Und hier wird man sich noch schwerer damit tun, sich dem Thema mit Logik und Verständnis zu nähern.

Was dagegen gut funktioniert, sind Wiederholungen, besonders wenn sie sich verschiedener Medien bedienen. Es ist also eine gute Sache, dass es Video-Blogs und Apps und Vorträge und PDFs gibt, die immer und immer wieder das Gleiche behandeln. Ich versuche hier meinen Teil dazu beizutragen, in dem ich die Themen überwiegend als Texte im Web formuliere. Wenn man Interessierte betreut, sollte man nicht seine Methode als „die richtige“ anpreisen. Besser ist sie ausdrücklich ermuntern, sich auch all die anderen Materialien anzuschauen und auch selbst aktiv damit zu arbeiten, also damit zu rechnen, in eigenen Worten formulieren und als Grafiken zu malen.

Das bisher gesagte bezog sich nur auf den theoretischen Teil. Zu dem Aspekt „Wiederholung in vielen Variationen“ gehört auch, das erworbene Wissen praktisch zu nutzen. Eine Schaltung durchgerechnet zu haben wird erst dann zu vollständigem Wissen, wenn sie auch praktisch aufgebaut und durchgemessen ist. Und eine Modulation und eine Ausbreitungsbedingung versteht man erst dann wirklich, wenn man selbst eine Verbindung am Funkgerät praktisch erlebt hat. Auch bei diesem Aspekt ist wichtig, dass die bestandene Prüfung einem dem „Funkamateur sein“ allein noch nicht wirklich näher gebracht hat.

Wenn die Interessierten in ein aktives Clubleben eingebettet sind, kann ein „Crashkurs“ zur Lizenz sinnvoll sein. Der Amateurfunk wird dann weiter in der Gemeinschaft vor Ort erlebt und vertieft. Für alle, die das Hobby für sich betreiben wollen oder mangels lokaler Aktivitäten müssen, für die sollte das tiefere Verständnis im Vordergrund stehen. Damit ist eine solide Basis vorhanden, mit der man sich den Amateurfunk in all seinen Facetten nach und nach dann auch selbstständig erschließen kann.

Unser Hobby in Gemeinschaft zu erleben, ist eine wundervolle Sache. Aber diese Gemeinschaft kann man nicht immer und überall voraussetzen. Und jede Gemeinschaft besteht aus Individuen, die erst mal vorhanden sein müssen. Für diesen Aspekt betreibe ich diese Seiten und hoffe damit diejenigen abzuholen, die sich durch Lesen der technischen Seite des Amateurfunks nähern wollen.

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